Watchmen der Film - Männer am Rande des Weltuntergangs
“Life is a highly overrated phenomenon” fasst der Übermensch Dr. Manhattan seine Sicht der Welt in einer Führung über den Mars zusammen. Dabei hatte ihn nur seine Freundin Laurie (alias Silk Spectre) verlassen, weil sie sich von ihm nicht mehr verstanden fühlte. Grund genug für einen gekränkten Mann, sich dem Menschlichen insgesamt abzuwenden.
Der Mann, dem sich die weibliche Hauptfigur des Films, Silk Spectre II, nach der Trennung von Dr. Manhattan zuwendet, ist der Ornithologe Dan Dreiberg, im früheren Superheldenleben als Night Owl II aktiv. Die Persiflage auf die privaten Tarnexistenzen von Superman und Batman zeigt einen gebrochenen Frühpensionisten, der “aufgegeben” hat, wie der sture Einzelgänger Rorschach das maskenlose Leben denunziert. Dan Dreiberg kann folglich in der von Laurie initiierten Intimität seinen Mann nicht stehen, er bedarf eines Kostüms und des Hochgefühls einer Heldentat um in einer späteren Szene über den Wolken und mit Leonard Cohen sein “Halleluja” zu erleben (die New York Times sieht den Bad Sex Award of the Year sicher)
Watchmen der Film verwendet den Comic fast durchgängig als Drehbuch, ein Eingriff in das Ende und die Hauptmotivation des genialen Schurken ist stimmig, stimmiger als in der Vorlage. Überraschungseffekte kann der Film nicht bieten, wem der Comic bekannt ist. Die effektvolle Umsetzung der Szenen des Comics ist erwartungsgemäß beeindruckend, aber eben dadurch nicht überraschend. Auffallend ist die sehr explizite Darstellung der physischen Gewalt, Knochen brechen, Körper werden durchlöchert, Schädel werden gespalten, alles wirkt realistisch und das Blut fließt in Strömen unter der WC-Tür hervor, hinter der Rorschach noch ein kleines Geschäft verrichten musste.
Die schockierendste Szene ist die versuchte Vergewaltigung von Silk Spetre I durch den Comedian, ins Unbegreifliche gesteigert durch bewundernd aufjauchzende Reaktionen im Kinopublikum bei den ersten Schlägen des Comedian auf Silk Spectre, als ob das gebrochene Tabu der gezeigten Gewalt eines Mannes gegen eine Frau mit Lust genossen würde. Die andere erschütternde Reaktion des Publikums ist der belauschte Dialog beim Verlassen des Saales, dass der Penis des nackten Dr. Manhattan angesichts seines sonstigen Körperbaus zu klein geraten sei. Auch diese Beobachtung zeigt, dass Watchmen, der Film wie der Comic, Männlichkeit in einer Transformationszeit beleuchtet.
Die hyperphysische Gewalttätigkeit eines Rorschach oder eines Comedian zerbricht an der Figur Ozymandias, der seine Kontrahenten kraft seines als überlegen postulierten Intellekts mühelos bewegt und (physisch aber vor allem psychisch) vernichtet. Sein aberwitziger Weltrettungsplan durch abschreckenden Massenmord wird auf zweifache Weise ad absurdum geführt. Theoretisch von Dr. Manhattan, der sich vom Planeten Erde verabschiedet, um woanders Leben beginnen zu lassen, damit einen wahrhaft utopischen Weg zur Überwindung des Menschlichen anstelle seiner Missachtung aufzeigend. Praktisch scheitert der Plan an der Veröffentlichung von Rorschachs Tagebuch, mit der Buch und Film enden. Mit dem Griff in die Spinnerablage des “New Frontiersman” kommt so ein Bürgerjournalismus ins Spiel, der im Masterplan des genialen Verbrechers nicht vorgesehen war.
Unversehrt und gereift zeigt Dan Dreiberg den männlichen Ausweg aus der Heldenkrise: mit einer ebenbürtigen Partnerin Humor im Alltag finden, und sich mit der Schwiegermutter aussöhnen.
Abgelegt unter: Watchmen |
Kommentare

