« Navigation bei Flickr und Writeboard | the new is old »
2005-10-30 17:56Beyond this place, there be dragons!
Was ich gerade lese: Peter Morville: Ambient FindabilityWas ich mir vorgenommen hatte, in diesem Posting zu schreiben: obiges Zitat (Beyond this place, there be dragons”) stammt von Peter Morville an einer Stelle über Karten zu Zeiten, als die Erde noch als Scheibe gedacht wurde. Im Buch sind dazu zwei Karten abgebildet, eine Weltkarte aus dem Jahre 150 u.Z., und eine U-Bahnkarte des London der Gegenwart.
Während sich das Zitat aus dem Buch auf die Weltkarte mit den sichtbaren Enden der Welt bezieht, war mein Gedanke, dass es auch auf die U-Bahnkarte zutrifft, die in Form von eingefärbten Verkehrsverbünden das Zentrum der Metropole vom nicht-mehr-so-urbanen Rand abtrennt, sodass globale Urbanistiker sich im Klaren sind, wo sie auf der sicheren Seite des dichten U-Bahnnetzes befinden und wo nicht. Im Herzen der Stadt ist ein Auskennen gegeben, am Rande mögen die Drachen der Provinz hausen.
Was mir dann auffiel, war eine angewandte Lektion in Sachen Findability: Im Buch von Peter Morville war unter dem Plan der Londoner U-Bahn als Credit die offizielle Seite Transport for London angegeben, eine fein übersichtliche Seite, wo es schlicht und ergreifend alle Arten von U-Bahnkarten im pdf oder gif Format zum anschauen und ausdrucken gibt. Sehr nett neben vielem anderen: der Tube-Plan als Desktop Wallpaper.
Naheliegender Analogschluss: das will ich ja für Wien auch haben.
Gesagt, gesucht – im Kopf erinnert an wienerlien.at – dort herrscht ein wildes pixelwütiges kleinteiliges überladenes Design, das das Finden von Information schwierig macht. Ich habe mich zurückgelehnt und die Seite nicht gescannt sondern mit hoher Aufmerksamkeit gelesen, und schliesslich am Seitenende den Button mit der mikroskopisch kleinen Schrift Wr. Linien Pläne Online gefunden. Das geht auf die Seite, die auch bei der Google-Suche nach u-bahn plan wien auftaucht, an Platz 4. Der Seitenbeschreibungstext, den Google sichtbar macht (Picture, Picture, Picture. Picture. – es geht nichts über sinnvolle Alt-Texte!) benennt das Dilemma der Seite, die eigentlich einen interaktiven Fahrplansucher bietet. Mir hat die Seite den Browser geschossen (Firefox) und jegliche Lust vertrieben.

was wohl in den Popup gestanden hätte, das geblockt wurde? Hauptproblem: worum geht’s überhaupt auf der Seite? Gewichtung bitteschön!
Gefunden habe ich einen Plan dann doch noch, nämlich bei Horst Prillingers inoffiziellen Seiten zur Wiener U-Bahn – zwar nicht den Plan, der in allen Stationen und U-Bahnwägen hängt, aber dafür gibt’s auch einen geographischen Plan
Diese inoffiziellen Seiten zur Wiener U-Bahn sind um so viele Hausecken benutzbarer (z.B. glasklare Navigation, gute Lesbarkeit, leicht auch in englisch abrufbar), informativer (z.B. Ausbaustufen der Wiener U-Bahn) und spannender (z.B. das Mysterium der U5) U-Strab) wie sie aller Einschätzung nach kostengünstiger gewesen sein dürften als die offizielle wienerlinien.at Homepage – schlagendes Beispiel dafür, dass weniger mehr ist (hallo liebe wienerlinien: was hat ein Link auf die Holding, Wien Energie, Wien Bestattung, Gaswärme, BMG… und was weissichnochwas auf eurer Seite in der prominenten vertikalen Navigation verloren? Das ist eure interne Konzernsicht, die das Publikum nicht primär interessiert) und schönes Webdesign ohne Informationsarchitektur (und hohe Auffindbarkeit [hallo: google!] zu Vergessen ist (sorry diamonddogs für dieses harsche Urteil).
Abgelegt unter: Informationsarchitektur Literatur |

Kommentare:
« Navigation bei Flickr und Writeboard | START | the new is old »
