Eine Story und ihr Hintergrund

Angkor macht Schlagzeilen: hier , hier , und ganz viel hier – ein internationales Forscherteam hat die “die größte vorindustrielle Siedlung der Welt” jetzt mit einer Fläche von über 1000 qm vermessen und auch noch 74 zuvor “übersehene” Tempel entdeckt.
Jetzt finde ich die Meldung natürlich sehr interessant, weil ich vor drei Jahren selbst schon in Angkor- war, einem absoluten Highlight der damaligen Reise, die eigenlich nach Thailand führte. Der Abstecher nach Kambodscha wegen Angkor war unvergesslich.
Den Eindruck, dass Angkor riesig ist, hatte ich allerdings damals auch schon. Auch das umfassende Bewässerungssystem ist keine neue Erkenntnis aus meiner Sicht.
Kurzum – ich frage mich, was die tatsächlichen Facts hinter der Agenturmeldung sind, und ich versuche mehr zu erfahren.
Das ist nicht ganz leicht.
Ich erfahre, dass die Ergebnisse 15-jähriger Forschungsarbeit jetzt im “American Journal of the National Academy of Sciences” veröffentlicht wurden, Satellitenaufnahmen der NASA spielen eine Rolle, und Wissenschaftler aus Australien, Frankreich und Kambodscha sind beteiligt.
Einen Link auf eine Primärquelle zu finden, ist schwierig. Es gibt hunderte Newssites, die die Meldung bringen, aber der Hintergrund bleibt verborgen.
Einige Newssites (Telegraph , abc.au ) bieten mehr als andere und so finde ich die Homepage des Greater Angkor Project und dort auch den Hinweis auf die Veröffentlichung , die den Medienreigen angestossen hat (“Evans et al. in press”) – allerdings ist die Studie nicht frei zugänglich.
Natürlich liegt es jetzt an Medien und ihren Journalisten, die Geschichte “zu machen”, zu recherchieren etc.
Aus Sicht des am Thema interessierten ehemaligen Angkorbesuchers reicht das aber nicht, ich würde mir wünschen, dass die Studie offen zugänglich ist und auf der Projekthomepage alles hochspannende Material aufbereitet wird.
Fazit: die verschlossenen Türen bei der Scientific Community ermöglichen zwar eine rasche Verbreitung einer Meldung, eine nachhaltige Überprüfung und vertiefende Auseinandersetzung ist für den Leser schwierig bis unmöglich. Dass das Publizieren von Forschungsergebnissen zeitgleich mit der Veröffentlichung einer Presseaussendung zielführend für eine umfassende und hochwertige PR zugunsten des Forschungsprojekts wäre, erscheint mir zwingend logisch und eigentlich selbstverständlich – ist es aber ganz offenbar nicht.
Kommentare
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Ganz recht, niemand hat die Quelle gelesen. Aber das bin ich von meinen Kollegen gewohnt.
Ich hab den Artikel. Schick mir deine Mailadresse, dann kriegst du eine pdf-Version (4seiten)