Buchbesprechung: Designing for the Social Web
“The Funnel Analysis – a simple analysis tool to assess the health of your web site” – englisch klingt das viel klarer. Die “Gesundheit meiner Webseite”?
Was der Autor Joshua Porter in seinem feinen Buch designing for the social web meint, ist nichts anderes als die Kennzahlen der Conversions zu berücksichtigen, die Anteile der Anmeldungen an den Besuchen, die Raten bei allen interaktionsbasierten Services. Trichter-Analyse als Kennzahl für den Erfolg von Webseiten also auf deutsch (aber viel schwerer als auf englisch ;)
Ein paar Highlights aus dem Buch:
Ein wunderbarer Einstieg mit einem Zitat aus How to Stop Worrying and Learn to Love the Internet von Douglas Adams (aus dem Jahre 1999).
Nicht dieses Zitat, aber das passt auch gut:
1) everything that’s already in the world when you’re born is just normal;
2) anything that gets invented between then and before you turn thirty is incredibly exciting and creative and with any luck you can make a career out of it;
3) anything that gets invented after you’re thirty is against the natural order of things and the beginning of the end of civilisation as we know it until it’s been around for about ten years when it gradually turns out to be alright really.
Acht Kapitel:
1. The Rise of the Social Web
2. A Framework for Social Web Design
3. Authentic Conversations
4. Design for Sign-up
5. Design for Ongoing Participation
6. Design for Collective Intelligence
7. Design for Sharing
8. The Funnel Analysis
erkunden die Sphäre des Social Webs im Detail und mit dem Blick eines erfahrenen Designers, der in der Lage ist, über den Tellerrand zu schauen und ein soziologisch motiviertes Verständnis der Funktionsweise des Social Webs zu geben. Es folgt folglich keine Bastelanleitung sondern eine Analyse menschlichen Verhaltens (“since humans are social, it makes sense that our software will be social, too”).
Kurt Lewins Formel, dass B=ƒ(P,E) – also das Verhalten einer Person eine Funktion ihrer Persönlichkeit und ihrer Umgebung (Environment) ist – dient als Einstieg in das weite Feld des Interface-Design für die neue Umgebung des Social Webs. Die überquellenden Wahlmöglichkeiten angesichts eines endlosen Angebots führen klassische Displaywerbung ins Paradox of Choice von Barry Schwartz und machen vertrauenswürdige Quellen unabdingbar. Das kostbare Gut Aufmerksamkeit will mit Freunden und unter Gleichen geteilt sein, Basis für den Erfolg von Myspace oder Facebook (“ich-zentrierte Software”), Amazon.
Mit seiner AOF-Theorie (Activities, Objects, Features) präsentiert der Autor eine Designrichtlinie, die er Schritt für Schritt erklärt. Der Fokus auf die primäre Aktivität als Schlüssel für den Erfolg aller Social Webseiten fehlt genausowenig wie die Identifizierung der sozialen Objekte (Bilder=Flickr, Bookmarks=delicious, Videos=Youtube…) und das mit einem einfachen Set an Verben ausformulierte Zusammenspiel der Funktionalität (zugleich direkte Handlungsaufforderungen, s. Youtube Interface).
Authentische Konversation und journalistische Techniken (die 7 W’s als Kernfragen fürs Design), Einladung zur Teilnahme (Motivation) werden klar und nachvollziehbar dargestellt. Krisenkommunikation und -intervention werden anhand diverser Beispiele erläutert, etwa der Entmachtung der Top-Digg User 2007. Auch hier wieder der Querverweis zur Soziologie und das Verständnis von Social Websites als Ecosystemen.
Konkrete Hinweise bei “Design for Sharing” – Formulare fürs Teilen werden genutzt, wenn sie nichts überflüssiges beinhalten.
Ein empfehlenswertes Buch fürs Designer im sozialen Web und auch für am sozialen Web soziologisch Interessierte.
Abgelegt unter: Informationsarchitektur Design |
Zur geschätzten Kenntnisnahme:

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