« Induktionsopfer | Italien ist Weltmeister »
2006-07-07 22:45Urlaubslektüre 2006
Michail Bulgakov: Der Meister und Margarita
Im Urlaub in Kroatien hab ich Kerstin dieses Buch komplett vorgelesen. Das Vorlesen war anfangs sehr ungewohnt, mehr als einen Absatz liest man selten vor. Es wurde mit der Zeit immer angenehmer, in der Rolle des Vorlesenden erschloss sich mir das Buch auf ganz eigene, neue Weise. Der langsamere Leserhythmus bringt ein exakteres Lesen mit sich, das Vergnügen an der Geschichte gleich zu teilen vergrößerte die Lust.
Das Buch streicht ein großes Gemälde auf die Hirnrinde, entzündet diabolische Gedanken und taucht hochtief jauchzend Gewohnheiten in kühne Verrenkungen. Es ist ein zeitgeschlicht erhellendes wie zeitlos strahlendes Entzücken an lapidaren Todesfällen, übersinnlichen Ausschweifungen und der allgemeinen Heimsuchung durch einen artistischen Teufel samt hochverzückender Entourage, mit dem nicht nur gestiefelten sondern mit allen Wassern getauften Kater im Schlepptau (den die englische Ausgabe fantastisch aufs Cover setzt; die deutsche Ausgabe bei Luchterhand gibt sich reduziert abstrakter; don’t judge a book by its cover gilt hier für die deutsche Ausgabe). Und in den Rückgriffen zum Thema des Buchs im Buch (opus magnum des Meisters ) wird Pontius Pilatus zu einem unerwarten Helden der Literatur.
Michail Bulgakow: Der Meister und Margarita (Master i Margarita); geschrieben von 1929 bis 1940, erstmals veröffentlicht 1966/67 in der sowjetischen Literaturzeitschrift Moskwa ; aus dem Russischen übersetzt von Thomas Reschke, Luchterhand 2005
Abgelegt unter: Literatur |
