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2008-04-05 07:55

Falsche Freunde, Teil 2

Es mag nicht statistisch signifikant sein, relevant erscheint es mir dennoch. Letzte Woche verwendeten innerhalb weniger Stunden zwei Kolleginnen unabhängig voneinander jeweils den Begriff “Mappe” anstelle von “Karte”.

Es ging beidemale um ein auf deutsch geführtes Gespräch über Google Maps – und beidemale ersetzte die “Mappe” die “Karte”.
Die Beispiele waren in etwa “Bei mir wird die Mappe nicht korrekt dargestellt” und “Auf der Mappe fehlen noch ein paar Standorte”.

Schaut ganz so aus, als hätte das Entlehnen aus dem Englischen zur Zeit echtes Momentum .

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2007-01-26 09:59

Word of the day: to pluto

Das Wort des Tages bei One Word A Day heute: to pluto – in lebendiger Erinnerung an des Planeten Pluto Erniedrigung im August 2006 bedeutet dieses Kunstwort “to reduce the value of something” (abwerten, herunterstufen).

Die American Dialect Society hat pluto zum Wort des Jahres 2006 gewählt, gegen durchaus interessante Konkurrenz:


Other candidates for word of the year:

climate canary : an organism or species whose poor health or declining numbers hint at a larger environmental catastrophe on the horizon.

data Valdez : an accidental release of a large quantity of private or privileged information. Named after the 1989 oil spill by the Exxon Valdez in Prince William Sound, Alaska.

flog : a fake blog created by a corporation to promote a product or a television show.

[Quelle: One Word A DAY ;
Word of the Year 2006 ]

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2007-01-18 12:30

5 vor 12

Doomsday Clock - 5 Minuten vor 12Die Doomsday Clock ist vorgerückt – sie steht jetzt auf 5 Minuten vor 12.
Ein drohendes zweites Nuklearzeitalter und die Folgen der Klimaveränderung haben die Gesellschaft der Amerikanischen Atomwissenschafter dazu bewogen, die Uhr zwei Minuten vor zu stellen.
Seit meiner Diplomarbeit und speziell der Beschäftigung mit dem Comic Watchmen ist die Doomsday Clock für mich ein herausragendes Symbol für eine unsichtbare, irreal reale Bedrohung.

[mehr: Reutersmeldung auf Yahoo ]

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2007-01-17 22:13

Mein Buch des Jahres

Ausschnitt des Buchumschlags von Die schönen bitteren Wochen des Johann Nepomuk von Christoph Wilhelm AignerDie schönen bitteren Wochen des Johann Nepomuk von Christoph Wilhelm Aigner.

Dieser Roman hat mich berührt und gefesselt wie seit langem kein Buch mehr.

Der 17-jährige Ich-Erzähler Johann Nepomuk Müller besucht in der oberösterreichischen Provinz um 1970 das Gymnasium, trägt mit Nachtarbeit zum Unterhalt der Rumpffamilie aus Mutter und Sohn bei (die “Zeit post patrem”) und ist talentierter und begeisterer Fußballspieler vor dem Sprung in die Bundesliga. Nach einem Abendtraining wird er Zeuge einer versuchten Vergewaltigung, die er durch tatkräftiges und beherztes Eingreifen verhindern kann. Durch die Begegnung mit der sieben Jahre älteren Mariella nimmt sein Leben eine neue Wendung, es eröffnen sich Welten der Gefühle und der Literatur.

Lakonisch und trocken erzählt der Roman von der Sprachlosigkeit einer von Schlägen und Liebesentzug geprägten Kindheit und Jugend, einsamen Zufluchten (ein Bildband über die Kunstepochen der Menschheit), einer weitgehend verständnislosen Schule, dem eingeprügelten Faustrecht auf der Straße, dem blinden Fleck der ausgeblendeten doch latent permant präsenten Ära des Nationasozialismus und zeigt die fast absurd erscheinende Möglichkeit eines Auswegs aus brutaler Tristess (Fußball, Liebe, Literatur).

Nach dem Versetzen und machohaften Abblitzenlassen eines Mädchens beim Date (“ich wusste nur, dass ich erstmals aus eigener Kraft ein mieses Arschloch war”):

Aber ich hatte eine Rechtfertigung, denn Weiber sind Luder hatte mir die Mutter erklärt, die wollen dich nur einfangen, hüte dich vor den Weibern, das war im Wohnzimmer in der Dämmerung, und warum das Licht nicht eingeschaltet war, weiß ic nicht, jedenfalls stand sie in der Mitte des Zimmers, und es war wie eine Weissagung, ein mystischer Moment, sie stieß das heraus mit weiser Empörung, so schien es, und es schien, sie sagte wahr, mit halb geschlossenen Augen, wie aus sich herausgetreten, denn sie hatte mir noch nie einen Rat gegeben, und ich schluckte ihn wie dürrer Boden Wasser.
Dass dieses Wasser vergiftet war, konnte ich nicht wissen. Das war bereits in der Zeit post patrem, also war ich immerhin schon knapp fünfzehn und hatte bereits das erste Geld aus der Fabrik heimgebracht.
Lass dich bloß mit keiner ein, du bist viel zu jung, die wollen dich nur einfangen und ausnützen. Nein, ich lasse mich nicht einfangen, was immer das auch heißen mag.
S. 59

Zitat zur gewalttätigen Sprachlosigkeit im Elternhaushalt:

Die Eltern, die kaum je was zueinander sagten, das über das Notwendigste hinaus Sinn ergeben hätte, sodass in der Hauptsache immer eine drückende Spannung in der Wohnung herrschte, nahmen jede Gelegenheit wahr, sich über andere entweder lustig zu machen, oder den Kopf über sie zu schütteln, oder sie schlecht zu reden. Sie erhoben sich damit über alles und jeden, was mich allerdings nicht über die Tatsache hinwegtäuschte, dass wir im zweiten Stock des Mietshauses wohnten, und über uns und neben uns andere.[...]
Weiß nicht, wann das geschehen ist, dass ich die Meinungen der Alten nicht mehr automatisch übernahm. Vorher hatte ich mir alles, was sie sagten, zu eigen gemacht, war ganz normal dass, wenn sie wen ablehnten, ich den auch ablehnte. Vielleicht haben sie mich auf Distanz geprügelt. Weil ich es so empfand, dass mich beide prügelten, wenn sie dabei stand und zusah, das war, als würde sie mitschlagen.
S.293/294

Christoph Wilhelm Aigner
Die schönen bitteren Wochen des Johann Nepomuk
442 Seiten, 2006 bei DVA erschienen.

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2006-12-12 21:56

Lesen 2006

Cover von Tom Robbins PanaromaTom Robbins:
Panaroma (Jitterbug Perfume)

Eines der besten Tom Robbins Bücher, mit dem bekannten Durchhänger um Seite 200. Davon abgesehen viel Wissenswertes und Unerwartetes rund um die rote Beete, Translokation, biblisch langes Leben, theologische Entwicklungsstadien (Abschied/Verbannung von Pan), himmlisch höllische Gerüche, das perfekte Parfum, New Orleans, Paris, Böhmen vor Jahrhunderten, Indien, der großen Liebe und den großen Trieben.

Tauwerk. Die Götter haben einen ausgeprägten Sinn für Humor, stimmt’s? Wenn dir die Kraft und der Biß fehlt, dein Leben selbst in die Hand zu nehmen, wenn du darauf beharrst, dein Schicksal den Göttern zu überlassen, dann werden dir die Götter deine Schwachheit heimzahlen, indem sie sich ein- oder auch zweimal auf deine Kosten amüsieren. Wenn du es nicht schaffst, dein Schiff selbst zu steuern, darfst du dich nicht wundern, wenn du plötzlich in einem dir unliebsamen Hafen landest. Die trägen und prosaischen Typen werden Abenteuer erleben, die ihr zentrales Nervensystem in Würfel schneiden wie eine Zwiebel, und romantische Träumer enden in der Seilerei. Man mag einwenden, daß es von einem ungebildeten fünfzehnjährigen Mädchen zuviel verlangt sei, daß es seiner Familie, seiner Gesellschaft, seinem gewichtigen kulturellen Erbe trotze, um einem Traum Rechnung zu tragen, den es gar nicht wirklich versteht. Natürlich ist es zuviel verlangt. Der Preis der Selbstbestimmung ist stets hoch, und in gewissen Situationen ist er vollkommen unvorstellbar. Aber um das Wunderbare zu erlangen, ist es genau das Unvorstellbare, das gedacht werden muß.

S. 111

Tom Robbins. Panaroma (Jitterbug Perfume); erschienen 1984, dt. Übersetzung von Nikolaus Hansen 1985

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2006-07-07 22:45

Urlaubslektüre 2006

Cover der englischen Ausgabe mit dem Kopf einer schwarzen Katze auf einem menschlichen KörperMichail Bulgakov: Der Meister und Margarita

Im Urlaub in Kroatien hab ich Kerstin dieses Buch komplett vorgelesen. Das Vorlesen war anfangs sehr ungewohnt, mehr als einen Absatz liest man selten vor. Es wurde mit der Zeit immer angenehmer, in der Rolle des Vorlesenden erschloss sich mir das Buch auf ganz eigene, neue Weise. Der langsamere Leserhythmus bringt ein exakteres Lesen mit sich, das Vergnügen an der Geschichte gleich zu teilen vergrößerte die Lust.

Das Buch streicht ein großes Gemälde auf die Hirnrinde, entzündet diabolische Gedanken und taucht hochtief jauchzend Gewohnheiten in kühne Verrenkungen. Es ist ein zeitgeschlicht erhellendes wie zeitlos strahlendes Entzücken an lapidaren Todesfällen, übersinnlichen Ausschweifungen und der allgemeinen Heimsuchung durch einen artistischen Teufel samt hochverzückender Entourage, mit dem nicht nur gestiefelten sondern mit allen Wassern getauften Kater im Schlepptau (den die englische Ausgabe fantastisch aufs Cover setzt; die deutsche Ausgabe bei Luchterhand gibt sich reduziert abstrakter; don’t judge a book by its cover gilt hier für die deutsche Ausgabe). Und in den Rückgriffen zum Thema des Buchs im Buch (opus magnum des Meisters ) wird Pontius Pilatus zu einem unerwarten Helden der Literatur.

Michail Bulgakow: Der Meister und Margarita (Master i Margarita); geschrieben von 1929 bis 1940, erstmals veröffentlicht 1966/67 in der sowjetischen Literaturzeitschrift Moskwa ; aus dem Russischen übersetzt von Thomas Reschke, Luchterhand 2005

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2006-01-08 01:09

Old Media

Matchpoint von Woody Allen im Kino und Es geht uns gut von Arno Geiger.

Die Familie als Aufstiegsort in ein Glück, das mit Gewalt gehalten wird, die Familie als Behältnis der eigenen Geschichte/n. Die Person entsteht und besteht auch in den sie umgebenden Personen. Man ist, wo man isst.
Lust vs. Stand bei Matchpoint; eine geerbte Villa bei Es geht uns gut; was zieht die Analogie?
Die Familie ist ein zentraler Ort, für den je männlichen Helden ist es auch die Abwesenheit der eigenen Familie, die eingeholt wird durch eine eingeheiratete Familie höheren Standes bzw. die Geschichte der eigenen Familie, die aus dem geerbten Haus atmet. Im Buch eröffnet eine Reise in die Ukraine zur Hochzeit eines der Schwarzarbeiter, die beim Ausmisten des Dachbodens geholfen, den Weg weiter; im Film geht die Aufrechterhaltung des Ehestandes mit Verbrechen einher, die Opfer suchen den Täter nächtens in der Küche heim, mit Furcht hat der frühere Tennisprofessionelle schon leben gelernt, der Ball seines Lebens fällt auf die Seite des Lebens mit Schuld, einer Quelle von Besitz und Macht (vor den Toten?).

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2005-10-30 17:56

Beyond this place, there be dragons!

Wie Lesen die Gedanken beflügelt, ein Buch über die Auffindbarkeit zum Mysterium der 5. Wiener U-Bahnlinie führt, gutes Webdesign ohne Informationsarchitektur, Lesbark und Strukturierung der Inhalte null und nichtig ist, und ich am Ende wieder ein Buch erwerbe.


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2005-01-20 02:14

the end of the world – etwas teuer

via flickr.com von schrottenbergda bin ich richtig froh, dass mir mühle das buch geliehen hat, 200€ bei amazonde find ich also auch für einen offenbar vergriffenen murakami happig

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2004-10-18 00:02

ein freund ein guter freund…

ein gestriger sprung in die westbahnhofsbuchhandlung (*autsch*) und ich hab einen freund gekauft, mit einem hässlich unglaublichen cover, nicht fehlender werbung und minimal design innen drin. keine fotos, kleine zeichnungen, mini-cartoons.
insgesamt eine papier-gewordene sendung ohne namen (EXKURS: es gibt einen wikipedia-artikel zur sendung ohne namen, unfassbar verstaubte erörterung, buried alive in neutral nullmessage; insgesamt fällt mir zur wikipedia-kategorie fernsehsendungen nur ein, dass da vom wiki+(encyclo)pedia nur wiki (slime und paiper) übriggeblieben ist: kinderzimmer productions.). webmässig kann derfreund.com wenig, das dafür klar. aber j.p. hinze liefert auf seinen hanseatische befindlichkeiten nach was die heftseite vermisst. from druckistan to wordpressville.

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